Donnerstag, 29. April 2010

Projektbesprechung

Hanna, Milena, Pia und ich sind zum Joggen verabredet. Wir treffen uns Morgens um sechs (die einzige Zeit in der die Hitze erträglich ist), um dann die Hauptstrasse entlang zu laufen. Joggen ist in Ghana zwar nicht unbedingt unüblich, aber das vier "Obruni" (weiße) Mädchen im Gänsemarsch die Strasse entlang laufen, sorgt bei den Einheimischen dann doch für allgemeine Erheiterung. Wir werden freundlich von den Leuten begrüßt, die zu Fuß mit allerhand Waren auf dem Kopf, den Weg entlang laufen und auch die voll besetzten Tro-Tros glotzen und hupen. Leider gibt es hier nicht so viel Möglichkeiten zum laufen, aber das nächste Mal wollen wir den Strand ausprobieren, auch wenn es wahrscheinlich extrem anstrengend ist im Sand zu laufen.
Zurück zu Hause Frühstücken wir erstmal ausgiebig und danach gehe ins Internet Cafe, weil wir endlich wieder eine Verbindung haben. Doch als ich den Raum betrete und mein Netbook auspacke fällt plötzlich der Strom aus. Sehr enttäuscht, aber zuversichtlich das der Strom gleich wieder anspringt, bleibe ich eine Stunde im Cafe und schreibe einige Texte vor. Dann ist mein Akku lehr, aber immer noch kein Strom da und das leider auch bis zum Ende des Tages.
Zurück zu Hause wasche ich meine Wäsche. Da ich noch nicht sehr geübt darin bin nimmt waschen immer relativ viel Zeit in Anspruch. Zum Glück leistet mir Cecilia etwas Gesellschaft und ich bringe ihr ein bißchen deutsch bei, während sie mich einige Wörter in Fanti lehrt.
Mittags kochen wir  auf unserem wackeligen Gasherd, gemeinsam mit Nana und ihrer 2Jährigen Tochter Antesaba (super lustiges Kind!), Yellof rice ein typisch ghanaisches Reisgericht, das ich sehr gern mag.
Den ganzen Tag bin ich unruhig weil ich mich so gefreut habe, wieder ins Internet zu kommen und jede Minute hoffe ich, dass wir wieder Strom haben. Bei Stromausfall kann man sich außerdem kaum drinnen aufhalten, weil die Ventilatoren nicht laufen steht die Luft und man ist nur noch am schwitzen. Hier hat übrigens jeder sein eigens kleines Schweißtuch immer mit dabei. Ich hab jetzt auch eins und obwohl ich normalerweise kaum Schwitze, kommt es hier doch ab und zu zum Einsatz. Es wird aber auch zum Hände abtrocknen benutzt, nachdem man sich die Hand fürs Essen gewaschen hat.
Nachmittags ist dann das Treffen mit Pia und sie erklärt mir alles was sie bisher gemacht hat, wie weit das Projekt fortgeschritten ist und was meine Rolle dabei sein könnte. Das Youth Magazine Projekt arbeitet mit vier unterschiedlichen High Schools in der Region zusammen. Die Schüler konnten sich freiwillig für das Projekt anmelden und sind zwischen 16 und 19 Jahre alt. Jede Schule setzt sich mit einem bestimmten Thema auseinander wie zum Beispiel Teenage Pragnancy, School Dropout und Arbeitslosigkeit. Die Teilnehmer haben bereits verschiedene Texte geschrieben und Interviews geführt. Sobald die Schule wieder anfängt, werden Pia und ich jede Schule einmal die Woche besuchen. Ich werde einen Fotoworkshop anbieten, um ihnen auch den Fotojournalismus etwas näher zu bringen und das Layout mit den Jugendlichen besprechen. Bis es soweit ist bereite ich ein Konzept für den Workshop vor, korrigiere die schon geschriebenen Texte und kümmere mich gemeinsam mit Pia um die Finanzierung. Ich hoffe wir können uns nächste Woche mit der Druckerei treffen, um einen Kostenvoranschlag zu bekommen. Denn auch davon hängen meine Möglichkeiten in der Layoutgestaltung ab, schließlich weiß ich nicht mal ob es möglich sein wird in Farbe zu drucken oder ob dies zu teuer sein wird.

Ein Sonntag am Strand

    Am nächsten Tag kommt meine Tante kurz nach dem Frühstück, ohne ihren Mann aber dafür mit ihrem "Driver". Nachdem sie kurz vorher angerufen hat, kommt sie wenig später, dicht gefolgt von ihrem schwer bepackten Fahrer, in mein Zimmer gestürmt. Wild gestikulierend zeigt sie ihm wo er die Sachen abstellen soll. Daraufhin verschwindet er wieder, nur um kurz danach noch mehr Zeug anzuschleppen. Während dessen räumt Gloria meinen Schreibtisch ab, sie hat eine geblümte Wachsdecke mitgebracht die sofort aufgelegt werden muss. Der Fahrer macht sich an meinen Stühlen zu schaffen und ich sehe das er die ranzigen Schaumstoffkissen, mit Bezügen aus Plastiktütenmaterial bezieht. In meinem eigenen Zimmer völlig überflüssig geworden, helfe ich ihm aus Verlegenheit dabei die Plastiktüten überzuziehen. Weitere Mitbringsel meiner Tante sind zwei große Kisten Wasser (hier Voltic - Kopie von Volvic), 10 Dosen Cola, Kekse und zwei große Taschen, um meine Klamotten darin zu verstauen. Einerseits bin gerührt von soviel Führsorge, von einer Person die ich ja eigentlich noch gar nicht kenne, andererseits bin ich etwas genervt von ihrer bevormundenden Art. Aber natürlich lasse ich mir nichts anmerken und bedanke mich tausend mal für ihre Großzügigkeit. Sie fegt dabei mein Zimmer und erklärt mir, dass ich nichts von Wert am Fenster stehen lassen darf, weil es gestohlen werde könnte und ich niemanden in mein Zimmer lassen dürfte. Tja wenn das mit dem Besuch mal so einfach wäre, es wird nämlich recht oft an meine Tür geklopft. "Efi (mein ghanischer Name für Freitag geborene) what are you doing? Take a picture from my sista! oder wenn ich in der Küche bin heißt es "Steff give me wata!" Bitte und Danke scheinen hier nicht so gebräuchlich zu sein wie bei uns. Mal sehen ob ich es vielleicht doch noch etablieren kann, ohne ein mepa ou tschäu (Fanti für Bitte) und "Medase" (Danke), bekommt hier jedenfalls kein Kind was von mir. -:)
    - Zurück zu einer Tante, ich möchte nicht diskutieren und sage zu allem ja, obwohl ich persönlich überhaupt keine Angst vor meinen Nachbarn habe und ich eher das Gefühl habe, Gloria denkt zu negativ über meine Umgebung. Ich freue mich jedoch sehr über die Verschönerung meines Zimmers und die Mengen an Cola und Wasser die mir nun zur Verfügung stehen. Ich kann mich nicht erinnern mich bei ihr über unser Pure Water beschwert zu haben, aber wahrscheinlich ist es durch die Chemie einfach auch nicht besonders gesund. Gemeinsam mit Milena (eine der anderen Freiwilligen) machen wir uns auf den Weg nach Kosa Beach, wo Gloria und ihr Mann im Hotel übernachtet haben. Milena, die anderen Freiwilligen und ich wollen hier unseren Sonnatg am Strand verbringen . Die beiden haben in einem wirklich sehr schicken Hotel eingecheckt und am Strand treffen wir dann Sam ihren Mann. Er hat zwei Jahre in Deutschland gelebt um zu studieren und wir unterhalten uns angeregt über die kulturellen Unterschiede, während meine Tante Muscheln für mich sucht. Mittags laden uns die beiden zum essen im Beach Resort ein. Vorweg gibt es einen Früchteteller der wirklich köstlich schmeckt. Nach dem Essen machen sich die beiden wieder auf den Weg nach Accra und ich werde sie hoffentlich bald besuchen können. Meine Gastgeschenke sind übrigens, Tee (beide sind Tee Fans und hier gibt es kaum guten), Schmuck und Parfüm bzw. Aftershave - nur falls ihr gedacht habt ich hätte nichts gehabt! Nachdem ich soviel von meiner Tante bekommen habe fühle ich mich allerdings etwas schlecht.
    Milena und ich bleiben und legen uns an den Strand. Nach und nach treffen die anderen ein. Pia ist auch endlich von ihrem Urlaub zurück und wir verabreden uns für den folgenden Tag, um das Projekt zu besprechen. Das Wasser ist herrlich warm, aber die Wellen sind stark und man muss aufpassen, dass man nicht ins Meer gezogen wird. Am Strand werden Kokusnüsse, Melonen und Bananen verkauft. Wir nehmen von allem etwas und machen ein kleines Picknick. Bis zum Abend bleiben wir am Strand und ich freue mich über die öffentliche Hoteldusche mit Duschkopf, weil ich so viel einfacher meine Haare waschen kann. Zurück geht es dann mit Taxi und Tro-Tro.

Dienstag, 27. April 2010

Ich lebe noch!

Da der Provider leider gestreickt hat, hatten wir die ganze letzte Zeit leider kein Internet. Seit Gestern läuft es wieder, nur da war den kompletten Tag über Stromausfall. Wie versprochen hab ich aber trotzden fleißig geschrieben und Fotos gemacht. Von den Bilder hab ich nur sehr wenig hochgeladen, weil es einfach ewig dauert und ich hier jetzt schon seit drei Stunden sitze, hab ich dann doch nur den Text eingestellt und werde die Fotos nach und nach hochladen. Außerdem möchte ich meine Rechtschreibung entschuldigen, aber ich hab einfach nicht die Zeit immer alles nocheinmal auf Fehler durchzugehen. Aber ich denke man kann es lesen-:)
Hoffentlich werde ich jetzt regelmäßig die Gelegenheit haben online zu gehen, dann ist es nicht immer so viel aufeinmal.
Meine Tante Gloria

10.Tag - Meine erste Deutschstunde

Nachdem ich mich am Tag zuvor, gründlich auf die kommende Stunde vorbereitet habe und noch morgens auf dem Markt war, um Kreide zu besorgen, sitze ich nun um fünf vor zehn auf einer Stufe, vor dem geschlossenen Schulgebäude. Alles ist etwas unklar und ich weiß noch wer und ob mir jemand einen Raum aufschließt. Normalerweise plane ich immer gern im voraus, aber das kann ich mir hier glaube ich abgewöhnen. Zuerst wusste ich nicht mal zu welcher Schule ich muss, niemand konnte mir sagen ob Kreide dort ist oder wo ich sie am besten bekommen kann und mit dem Schlüssel hieß es, dass würde sich dann schon am Samstag klären. Also sitze ich, warte, schwitze und gehe erneut die Themen meiner Deutschstunde durch.
Es ist viertel nach 10Uhr, niemand ist da und ich mache mir langsam Sorgen, dass niemand kommen wird, obwohl ich alle am Vortag noch einmal persönlich angerufen habe und mir alle versichert haben sie würden kommen. 10:25 Uhr, von weitem sehe ich meinen ersten Schüler auftauchen. Es ist Kojo, eines der Führungsmitglieder von AIM in Ghana, mit seiner Ankunft löst sich auch das Schlüsselproblem. Er informiert mich, dass der Schlüssel bei einem kleinem Mädchen aus dem Haus gegenüber hinterlegt wurde und wir besuchen sie gemeinsam. Hier werde ich nun meinen Schlüssel in Zukunft immer abholen. Nach und nach trudeln zwei weitere Schüler von mir ein. Mercy, ein Mädchen das im Internet Cafe arbeitet und Francis, einer der Youth Club Leader. Solomon will auch mitmachen, leider ruft er mich jedoch an und sagt ab. Meine Nachbarin Lilly ist auch nicht da, obwohl wir noch am Morgen darüber gesprochen haben. Ich rufe sie an um zu fragen wo sie bleibt und sie teilt mir mit, dass sie leider auch nicht kann. Ich starte also meine Stunde mit drei von sieben Schülern (kein schlechter Schnitt, wie ich später erfahren werde). Zuerst sprechen wir darüber was jeder einzelne vom Kurs erwartet und ob schon  jemand Erfahrung mit der deutschen Sprache hat. Da dies meine ersten Unterrichtserfahrungen sind und meine Schüler schon erwachsen sind, bitte ich außerdem um Verbesserungsvorschläge und Vorschläge hinsichtlicht der kommenden Stunden.
Danach erkläre ich was ich von meinen Schülern erwarte wie z.B. Pünktlichkeit und das sie mir Absagen wenn sie nicht kommen können, damit ich Bescheid weiß ob ich die Stunde überhaupt halten kann (falls zB nur einer kommt). Außerdem werde ich am Anfang jeder Stunde einen kleinen Vokabeltest schreiben und am Ende meiner Zeit hier eine kleine Klausur mit allem was wir bis dahin geschafft haben. Wenn der Unterricht dann von jemand anderem weiter geführt wird, ist es vielleicht einfacher zu erkennen wie der stand der Schüler ist. Auch wenn nur drei tatsächlich gekommen sind, wirken sie sehr motiviert. Wir bearbeiten das Alphabet und die Umlaute, Zahlen, Wochentage und "greetings and responses". Alle machen gut mit und schreiben von der Tafel ab, gemeinsam gehen wir die Betonung der Wörter durch und ich stelle einfache Fragen zu den Vokabeln. Am Ende der Stunde bekomme ich ein positives Feedback von den Schülern und ich hoffe sehr dass es ihnen wirklich gefallen hat. Ich denke es wird sich daran zeigen wer am nächsten Samstag wieder auftaucht. -Gerne nehme ich überings Tipps und Ratschläge von den Lehrern unter euch an!
Nach meinem Unterricht besuche ich Tom, Hanna und Adrian die anderen Freiwilligen in ihrem Haus. Sie berichten mir das Unpünktlichkeit oder sogar das niemand auftaucht, nicht ungewöhnlich ist und ich mit der Anwesenheit von fast der Hälfte der Schüler noch froh sein kann. Es ist sehr schwierig dieser Unzuverlässigkeit entgegenzuwirken. Sämtliche Aktivitäten sind freiwillig und wenn man zu sehr meckert kann es sein das niemand mehr kommt. Wahrscheinlich würde auch niemand wirklich verstehen warum man sich so aufregt, eine halbe Stunde oder mehr ist ganz normal. Dies liegt aber auch unter anderem an der Verkehrslage, man muss sich auf Tro-tros verlassen, die keinem Zeitplan folgen und somit kann man nie genau sagen wann man wo ankommt. Aber ich bin ja schon froh wenn mir überhaupt abgesagt wird und die Verspätung unter einer halben Stunde bleibt.

Meine Tante kommt!

Am späten Nachmittag ruft mich plötzlich meine Tante an: "Hey my dear, we´re coming in about half an hour to visit you!"  Waaaas? Wie bitte? Jetzt sofort?!? Eigentlich habe ich mich gerade für einen nächtlichen Ausflug nach Cape Coast fertig gemacht, denn ich wollte dort mit Milena Salsa tanzen gehen. Zusätzlich hat es gerade angefangen sehr stark zu regnen (der erste Regen und Start der Regenzeit) und die Wege sind alle überschwemmt. Außerdem wird es in einer halben Stunde dunkel, in meinem Zimmer herrscht Chaos und ich muss unbedingt noch duschen. Ich bin völlig überfordert mit dieser plötzlichen Konfrontation und möchte am liebsten Absagen. Stattdessen sage ich natürlich zu und hetze mich beim duschen und aufräumen ab. Ein weiterer Anruf - sie sind da! Gloria, meine Tante, ihr Mann Samuel und ihr Fahrer, warten beim Internet Cafe an der Hauptstraße auf mich. Nervös und völlig gestresst laufe ich, im noch andauernden Regen, durch Sturzbäche und Tümpel die mir bis zum Knöchel reichen, zur Strasse. Mit völlig durchnässten Schuhen komme ich am parkenden Jeep meiner Tante an. Der Regen hat aufgehört und aus dem Auto steigt ein freundlich wirkendes Paar. Gloria stürmt sofort auf mich zu und nimmt mich in den Arm, immer wieder erklärt sie mir wie froh sie ist mich endlich kennenzulernen und ich versichere dass es mir genauso geht. Fast ebenso herzlich werde ich von ihrem Mann begrüßt und meine Aufregung beginnt sich zu legen. Gemeinsam gehen wir zu Fuß zu meinem Zimmer . Ich bin mir etwas unsicher darüber wie meine offensichtlich sehr wohlhabende neue Familie auf die ärmliche Umgebung und mein einfaches Zimmer reagieren wird. Als wir den Hof und dann mein Zimmer betreten kann ich ein leichtes entsetzen in Glorias Augen erkennen. "Hier wohnst du also?!" "Wo ist dein Schrank, du kannst deine Sachen nicht  einfach so liegen lassen! Wo ist dein Kühlschrank? Wo ist der Fernseher?" Ich versuche ihr alles zu erklären, aber sie sagt mir sofort, dass sie mir Morgen ein paar Sachen bringen wird und ich habe nicht das Gefühl, dass sie es einfach so hinnimmt als ich ihr erkläre, ich würde nichts brauchen und schon gar keinen Fernseher. Da es in Komenda nur ein einziges Hotel gibt und dieses nicht gerade sehr komfortabel ist, entscheiden sie auf Rat von Milena, ein Hotel eine halbe Stunde entfernt am Strand zu nehmen. Vorher wollen sie mich jedoch nach Cape Coast bringen wo ich Milena zum Salsa Kurs treffen wollte. Die 3/4 Stunde fahrt unterhalten wir uns über alles Mögliche. Gloria ist Lehrerin für Englisch am College in Accra, ihr Mann Sam ist Consulting Geologist für Goldminen. Meine Tante ist die Halbschwester von meinem Vater, sie haben den selben Vater aber unterschiedliche Mütter. Außerdem erfahre ich erneut das Boafo ein sehr angesehener, traditioneller afrikanischer Name ist und auf deutsch "Helfer" bedeutet. Angekommen in Cape Coast treffen wir Milena. Ich steige aus und wir verabreden uns für den darauf folgenden Tag. 
Das spontane Familientreffen hat mich emotional ganz schön mitgenommen und ich bin froh nun direkt Ablenkung in der ghanaischen Salsa Szene zu finden. Nie hätte ich daran gedacht in Ghana einmal Salsa zu tanzen, aber der Tanz ist dabei hier sehr populär zu werden. Alle sind in schwarzweiß gekleidet, nur ich und ein paar andere unwissende tragen andere Farben. Ich fühle mich etwas unwohl, als dann jedoch der Anfängerkurs beginnt, bin ich positiv überrascht wie viel Spaß ich dabei habe.

8.Tag - AIM Meeting

Einmal im Monat treffen sich alle AIM Mitglieder, um die unterschiedlichen Projekte, verschiedene andere Aktivitäten und neuste Entwicklungen zu besprechen. In diesem Zusammenhang werde auch ich als neues Mitglied vorgestellt und bekomme meine erste Aufgabe, ich darf den Deutschkurs für die ghanaischen Mitglieder von AIM leiten. Es sind ca. sieben Schüler im Alter von 19 bis 50Jahre. Der Kurs soll immer Samstags um 10Uhr beginnen, abgehalten wird er in der Bethel Moses School, eine Grundschule ca. 30m entfernt von meinem Haus. Auch wenn ich noch nie unterrichtet habe, freue ich mich über meine Aufgabe und hoffe dass ich es schaffe meinen Schülern ein bißchen deutsch beizubringen, auch wenn meine eigene Rechtschreibung etwas zu wünschen übrig lässt.

5.Tag - Ausflug nach Cape Coast

Heute zeigt mir Hanna Cape Coast. Mit Brötchen und Eiern vom Markt besuche ich sie zum Frühstück. Nachdem wir lecker Kaffee getrunken und ein bisschen von meiner mitgebrachten Salami gegessen haben, geht es los zur Car Station. Wir besteigen eins der Tro-Tros und ich sitze neben einer Frau die ihr niedliches neugeborenes Baby stillt. Die Decke des Autos ist mit Jesuspostern tapeziert. Allgemein kann man sagen, dass die Tro-Tros und Taxen sehr viel Wert auf interessante Innenausstattung legen. Ich hoffe ich kann bald mal ein paar Fotos davon zeigen, denn erklären lässt sich so was schlecht. Die Fahrt ist wie immer gefährlich schnell. Um nicht nervös zu werden schaue lieber aus dem Seitenfenster die schöne Landschaft an, anstatt vorne zu sehen was alles zu einem Unfall führen könnte.
Cape Coast ist sehr schöne alte Kolonialstadt mit ca. 100.000 Einwohnern, viele der Häuser stammen noch aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Stadt liegt direkt am Meer und war bis 1876 die Haupstadt der Kolonie Goldküste und ist Heute das Verwaltungszentrum der Zentralregion. Barak Obama besuchte Cape Coast Castle im letzten Jahr , um an die Verbrechen der Kolonialzeit zu erinnern. Der amerikanische Präsident ist in Ghana übrigens allgegenwärtig, überall hängen Poster und man kann T-Shirts oder andere  Andenken von ihm kaufen.
Als wir mit dem Tro-Tro in Cape ankommen muss ich mich erstmal an die vielen Menschen gewöhnen. Leider gibt es keine Fußwege in Ghana, immer wenn Autos kommen wird gehupt damit man beiseite geht. Die Abwasserkanäle sind zum großen Teil offen oder mit maroden Brettern bedeckt. Man muss aufpassen das man in dem Gedränge nicht daneben tritt. Die Luft ist erfüllt von Gerüchen die mir noch fremd sind. Manchmal stinkt es abartig, dann richt es wieder lecker nach Essen oder auch Parfüm. Auch wird wieder viel auf den Straßen verkauft. Wir kaufen uns Orangen zum auslutschen und Hanna kauft eine Kokosnuss, in die der Händler mit einer Machete zuerst ein Loch schlägt, damit man den süßen saft trinken kann. Danach öffnet er die ganze Nuss und man kann das Fleisch, mit einem der Stücke von der harten Schale, heraus Löffeln. Hanna zeigt mir gute Stoffgeschäfte und ich kaufe afrikanische Stoffe, um mir in Komenda Kleider daraus nähen zu lassen. In Cape Coast gibt es sehr viele Touristen und auch Freiwillige trifft man hier viel. Zum essen gehen wir zu Baobab, einer NGO die zu ihrer Finanzierung unter anderem ein Restaurant aufgemacht hat. Wir bestellen Erdnusssuppe mit Riceballs und von der riesigen Portion, schaffe mal wieder nur die Hälfte zu essen, obwohl es sehr lecker schmeckt. Danach besuchen wir ein Internetcafe, versteckt in einem Hinterhof. Leider ist die Verbindung sehr langsam und ich schaffe es nicht, meine auf dem Stick gespeicherten Blogeinträge und Bilder hochzuladen. Das nächste mal nehme ich mein Netbook mit und hoffe das mein Antivirenprogramm gut ist. Unverrichteter Dinge und enttäuscht darüber euch nicht erzählen zu können wie es mir so in Ghana geht, verlassen wir das Cafe und kaufen weiter nützliche und weniger nützliche Sachen ein. Wir treffen Kilian einen Missionar aus dem Norden, den Hanna vom Vorbereitungsseminar kennt. Seine Eltern sind zu Besuch und können aufgrund des Vulkanausbruchs nicht zurück reisen. Kilian möchte uns in Komenda besuchen und wir verabreden uns für den Abend.
Als Hanna und ich zu Hause ankommen, ist Kilian bereits bei Adrian. Es ist schon dunkel (ab halb sieben wird es hier schlagartig Nacht) und gemeinsam gehen wir mit unseren Taschenlampen über den Nightmarket, zu einem der örtlichen Spots um etwas zu trinken. Der Spot besteht aus ein paar in der Dunkelheit verstreuten Tischen und Stühlen, lediglich der Verkaufsbereich wird von häßlichen Neonröhren beleuchtet. Wir setzten uns an einen der Tische und ich kann die Gesichter der anderen nicht einmal mehr erkennen. Kerzen oder dergleichen gibt es nicht und auch um bedient zu werden muss man einiges anstellen. Ich trinke eine süße Limonade und die anderen einheimisches Bier, das sehr lecker sein soll, aber leider mag ich kein Bier. Wir sitzen und unterhalten uns, bis gefühlte spät in die Nacht. Nach wie vor bin ich hier früh Müde und kann mich normalerweise schon um 9Uhr ins Bett legen. Wahrscheinlich steckt noch die deutsche Zeit in meinen Knochen. Gegen 12Uhr machen wir uns auf den Heimweg und als ich an meinem Haus ankomme ist der Hof schon verriegelt. Ich klopfe an Lillys Fenster und muss sie aus dem Bett holen damit sie mir aufmacht. Duschen kann ich somit leider auch nicht mehr, weil ich dafür erneut das Gebäude verlassen müsste. In Zukunft muss ich mit Lilly besprechen, dass ich das Tor schließe wenn ich so spät wieder komme.

4.Tag - Ein ruhiger Tag

Heute ist nichts geplant und ich stehe zeitig auf und Wasche draußen meine Wäsche. Cecilia, ein kleines Nachbarsmädchen kommt neugierig hinzu und wir unterhalten uns ein wenig. Ihr Englisch ist nicht wirklich gut aber wir können uns verständigen. Sie möchte etwas deutsch lernen und ich bringe ihr ein paar Worte bei, im Gegenzug lehrt sie mich die Wörter in Fanti. Cecilia ist ein wirklich aufgewecktes Mädchen und merkt sich die deutschen Wörter schnell. Sie erzählt mir das die kleinen Kätzchen ihr gehören. Ich bin überrascht, dass sie keinen Namen haben und noch überraschter als sie mir erzählt das ihre Katzen am liebsten Fufu essen. Ich denke an meine mäkeligen und dicken Tierchen zu Hause und muss sehr über diese echt afrikanischen Katzen lachen.
Cecilia begleitet mich auch zum Markt und ich kaufe Eier und einen eigenen Eimer zu duschen. Außerdem kaufe ich uns leckere kleine gelbe Mangos. Sie schmecken herrlich süß und fruchtig und genüsslich essen wir sie auf dem Weg nach Haus. Der weitere Tag verläuft eher schleppend und ich freue mich darauf endlich mit meiner Arbeit anfangen zu dürfen. Bisher wirkt auf mich alles noch wie Urlaub, doch den möchte ich ja erst in drei Monaten machen. Hoffentlich kommt Pia bald um mich in das Projekt einzuweisen.