Mittwoch, 21. Juli 2010

4. Abschied von Komenda

Es ist soweit, meine Zeit bei AIM. ist nach drei Monaten vorbei. Pia und ich haben das Youth Magazine Projekt erfolgreich abgeschlossen. Ich gehe mit dem guten Gefühl mein Ziel erreicht und etwas sichtbares hinterlassen zu haben. Die Schüler waren so glücklich das Ergebnis unser aller Arbeit in den Händen zu halten und ihren Freunden und Eltern endlich zeigen zu können, für was sie die letzten Monate gearbeitet haben. Auch die Auflage von 750 Stk. und der Verkauf auf dem Elmina Bakatue Festival machen uns alle Stolz, denn viele Leute werden unsere Zeitung nun lesen und auf unser Projekt aufmerksam gemacht. Es haben sich sogar schon weitere Schulen gemeldet, die unbedingt beim nächsten Magazin mitmachen wollen. Es ist sehr schön zu diesem Erfolg beigetragen zu haben und ich werde viele gute Erinnerungen daran und vor allem wertvolle Erfahrungen mit nach Hause nehmen. Mir hat die Arbeit mit den Jugendlichen großen Spaß gemacht und auch die Zusammenarbeit mit Pia verlief reibungslos. Die Inhalte der Zeitung sind gut geschrieben und für die Jugendlichen und die Region wichtige Themen werden kritisch behandelt. Ich bin wirklich glücklich darüber ein Teil dieses Projektes zu sein und bereue nicht meine Entscheidung, bei AIM geblieben zu sein. Seit meine Arbeit getan ist, bin ich aber auch froh AIM. verlassen zu können und mich nicht mehr mit den Organisationsproblemen und Jörn rumschlagen zu müssen. Ich habe das gute Gefühl frei von Erwartungen zu sein und Ghana nun als Reisende erfahren zu können.

Trotzdem ist es natürlich traurig sich zu verabschieden und Komenda, das gerade eben erst mein neues zu Hause geworden ist, wieder zu verlassen. Als ich mein Zimmer aufräume und meinen Rucksack packe, wird mir Bewusst wie schnell doch die Zeit vorbei gegangen ist. Ich habe den Eindruck gerade erst angekommen und ausgepackt zu haben und erinnere mich an meinen ersten, etwas geschockten Eindruck, als ich den Hof und den Raum zum ersten Mal betreten habe. Wenn ich mich jetzt umsehe, ist es nicht mehr fremd oder komisch sondern einfach nur mein Zimmer. Ich habe es mir gemütlich gemacht und gern hier gewohnt. Besonders meine Nachbarn werde ich vermissen und das ständige, sehr kommunikative Miteinander wird mir fehlen. Es war immer jemand da, ich war von Kindern, Tieren und Geräuschen umgeben und jeder wusste wo man war oder was der andere gerade macht. Was ich anfänglich als anstrengend, teilweise stressig oder einengend empfunden habe, stellt sich für mich nun als ganz normal und angenehm dar. Auch der Verzicht auf jeglichen Komfort wird mir nur noch in Momenten bewusst, in denen ich ihn plötzlich für einen kurzen Augenblick wieder habe. Zum Beispiel wenn ich einen Raum mit AirCondition betrete, merke ich erst wie heiß mein Zimmer eigentlich ist oder wenn ich in einem Restaurant Pizza esse (war leider nur einmal) fällt mir wieder ein was für leckere Dinge ich in Deutschland essen kann. Es überrascht mich wie schnell man sich an bestimmte Gegebenheiten gewöhnen kann und sie als normal hinnimmt, selbst wenn sie völlig konträr zu dem Leben sind das man vorher geführt hat. Natürlich wird alles wieder dadurch relativiert, dass ich mich mit dem Bewusstsein der Situation angepasst habe nur 3 bzw. 4 Monate hier zu verbringen und die Entbehrungen nur auf Zeit stattfinden. Jetzt kann ich jedoch sagen, dass der sogenannte "Verzicht" vielmehr ein "Gewinn" an Eigenschaften wie Erfahrung, Toleranz, Geduld oder wie man so schön sagt "kulturellen Kompetenzen" ist. Es gibt Dinge die man nur lernt und erfährt wenn die üblichen Mittel und Dinge, die einem zu Hause als Selbstverständlich erscheinen, nicht mehr zur Verfügung stehen und alles auf das man sich vorher verlassen konnte anders ist. Ich glaube hier ein ganzes Stück erwachsener geworden zu sein, denn zum ersten Mal habe ich das Gefühl tatsächlich 26 zu sein und es ist nicht mehr nur eine abstrakte Zahl für mich, während ich mich eigentlich immer noch wie 19 fühle. Der Versuch sich in eine andere Kultur einzugliedern, aber dabei die durch die eigene Kultur entstandene Werte zu erhalten, ist nicht immer einfach. Es gibt viele Dinge die man nicht ändern kann, bei denen man noch nicht mal seinen Unmut über die Situation ausdrücken kann, weil man dazu einfach nicht befugt (z.B. Aufgrund von Alter oder Geschlecht) ist. Bei vielen schleicht sich dann eine gewisse Gleichgültigkeit ein, die in meinen Augen falsch ist. Auch wenn wir nicht hier sind um zu missionieren und unsere Lebensweise auf die Ghanaer zu übertragen, sondern wir es sind die lernen, sind manche "deutsche Tugenden" oder westliche ethische Grundsätze, es Wert verteidigt und laut ausgesprochen zu werden, um vielleicht bei wenigen eine Veränderung im Denken und Handeln, bei bestimmten Dingen zu bewirken. Aber auch die eigenen Grundsätze und Einstellungen verändern sich, da man nun in der Lage ist die Dinge in einem größerem oder anderem Zusammenhang zu betrachten. Vieles wird dadurch relativiert und ich betrachte einiges jetzt mit mehr Gelassenheit.

Für mich ist das Erfahren der ghanaischen Kultur natürlich besonders spannend und bereichernd, weil mein Vater aus Ghana stammt. Viele Eigenschaften die ich vorher seiner Person zu gesprochen habe, stellen sich nun als kulturbedingt heraus. Es ist interessant zu merken, dass vermeintliche Charaktereigenschaften einer einzelnen Person, eigentlich bedingt durch sein Herkunftsland sind. Gleichzeitig merke aber auch ich, wie deutsch ich bin und dass ich auf gewisse Dinge wie Pünktlichkeit, Ordentlichkeit oder Zuverlässigkeit auf Dauer nicht verzichten möchte.

Die negativen Erfahrungen die ich hier mit der Organisation gemacht habe möchte ich im Nachhinein nicht missen. Ich habe viel daraus über mich und andere, aber auch über die Strukturen und Probleme einer NGO gelernt, die auch in vielen anderen Firmen entstehen können. Ich denke außerdem man lernt mehr beim bewältigen von Problemen, als wenn alles immer läuft wie am Schnürchen und dass kann man hier nun wirklich nicht behaupten.

Aber zurück zu den Tatsachen, als Abschiedsgeschenk habe ich für alle meine Nachbarn und neu gewonnen Freunde, Fotos ausgedruckt. Als ich die Bilder verteile sind alle ganz aus dem Heußchen. Besonders Cecilia kann gar nicht aufhören ihr Foto anzustarren und es allen zu zeigen. Da ich weiß, dass ich im August mit meiner Mutter nach Komenda zurückkehren werde, fällt mir der Abschied nicht ganz so schwer wie erwartet. Außerdem fühle ich mich Urlaubsreif und will unbedingt mehr von Ghana sehen und meine Familie kennenlernen.

Hier ist es Tradition, dass der Abreisende Freiwillige eine Abschiedsparty gibt. Ich erfahre das von Jörn, wie sollte es anders sein, am Tag vor meiner Abreise. Gott sei Dank nicht so schlimm weil, ich eh eine kleine Verabschiedung im Anadwe Yede Spot in Komenda geplant habe. Nachdem Kukua mir noch ein letztes Mal mein Lieblingsessen gekocht hat (Yam und Plantain mit rotem Stew mit Garden Eggs und dazu Ei) gehen wir gemeinsam zum Spot, wo schon einige Gäste auf mich warten. Eingeladen habe ich die AIM. Mitglieder (sogar Jörn) und einige Nachbarn und Freunde. Es kommen fast alle und besonders freue ich mich über Patience (die Schneiderin), die mit ein paar ihrer Kolleginnen kommt. Sie hat einen kleinen Sohn und ich dachte, dass sie wie die meisten meiner älteren Nachbarn nicht kommen würde, weil es zu spät bzw. schon dunkel ist. Wir trinken und unterhalten uns nett und ich höre sehr oft "I will miss you Steph!" Alle trinken Star Bier und ich Smirnoff Ice, aber Hanna und Pia haben zur Feier des Tages sogar Sekt besorgt. Die Laune steigt (mit dem aber immer noch geringen) Alkoholpegel und nachdem Jörn das Fest früh verlässt, ist die Stimmung um so besser. Ausgelassen tanzen und singen wir zu ghanaischen Popsongs und jetzt werde auch ich ein bisschen schwermütig, denn dies wird wohl das letzte Mal sein, dass wir in dieser Runde zusammen kommen. Auch Patience tanzt ausgelassen mit uns und ich glaube sie ist sehr froh mal wieder einen Abend ohne Kind zu sein und tanzen zu können. Gegen 11 Uhr ist die Party zu Ende (ich weiß da geht ihr erst los) und ich bezahle für ca. 10-15 Leute 30 Cedi (15Euro) für die Getränke. In Deutschland würde das nicht mal einen Abend für mich selbst reichen.

Gemeinsam gehe ich mit den letzten Gästen nach Haus. Es ist dunkel, der Vollmond scheint, viele kleine blinkende Glühwürmchen leuchten uns den Weg, die Grillen zirpen und Frösche quaken und in der Ferne höre ich das Meer rauschen. Francis nimmt mich an die Hand und ich weiß ich werde Komenda, die Menschen und mein Leben hier sehr vermissen.



Leider die Kamera mal wieder viel zu spät raus geholt:

3. Drucktermin - Ergebnis

Sehr aufgeregt und mit dumpfen Gefühl im Magen machen Pia und ich uns am Morgen auf den Weg zur Druckerei. Ich bin mehr als nervös das Ergebnis zu sehen und hoffe inständig das alles geklappt. Wäre schließlich ziemlich blöd wenn eine Auflage von 750 Stk. einfach mal nichts geworden ist. Eine der Schulen wird auch kommen, weil sie Heute die Möglichkeit haben die Druckerei zu besichten und ihre Zeitung anzuschauen. Außerdem wollen Jörn und Solomon die Zeitung abholen und bezahlen. Schon allein der Gedanke daran die Zeitung und ein mögliches Desaster vielleicht nicht als erstes und in Ruhe sehen zu können, macht mich verrückt. Als Pia und ich beim Drucker ankommen, ist mal wieder Stromausfall. Ich habe lange nicht mehr darüber geschrieben, weil es so normal für mich geworden ist, aber Stromausfälle sind hier an der Tagesordnung. Manchmal dauern sie sogar den ganzen Tag egal wie das Wetter ist. Wenn man Strom hat muss man also sicher gehen, dass man schnell alle technischen Geräte auflädt, damit man sie trotzdem nutzen kann. Bei einer Druckerei ist dies natürlich nicht Möglich und so werden wir gebeten uns zu setzten und wie üblich zu warten. Nachdem ich den Fehler gemacht habe die Sekretärin in Fante zu begrüßen und ein paar Worte mit ihr zu wechseln, hört sie gar nicht mehr auf mich in Fante einzureden und animiert alle anderen Ghanaer im Raum es ihr gleich zu tun. Ich kann nichts anderes mehr sagen als "mentaase, mentaase" - (ich verstehe nicht), aber anstatt Englisch zu sprechen, wiederholen sie alles weiter auf Fante nur lauter und schneller. Sobald man hier merkt das ein "Obruni" (weißer) etwas ihre Sprache spricht, kann es passieren, dass man in ein Regelrechts Kreuzverhör gerät und mit dem wenigen was ich gelernt habe, stoße ich schnell an meine Grenzen und die Gespräche gestalten sich eher anstrengend. Pia kichert währenddessen in sich hinein. Mir ist das gleiche hier schon einmal passiert und ich habe ihr davon erzählt. Jetzt ist es natürlich besonders witzig life dabei zu sein.

Nach einiger Zeit treffen Solomon und Jörn ein und ich sitze hibbelig in meinem Sessel und will einfach nur  noch die Zeitung sehen. "Oder lieber doch nicht?!" Solomon schafft es letztendlich den Drucker davon überzeugen uns ein Exemplar zu zeigen obwohl der Rest noch nicht ganz fertig ist. Er bringt eine der Zeitung aus seinem Büro und nachdem es durch mehrere Hände gegangen ist, kann ich auch endlich einen Blick darauf werfen und bin erstmal schockiert. Farben und Druck sind zwar weitestgehend  OK., das Problem ist die Zeitung wurde einfach nicht beschnitten. Sämtliche Druckmarken, Farbproofs, Passkreuze und natürlich ein dicker fetter weißer Rand sind noch dran. Ich bete das dies nur am Probeexemplar so ist, doch ahne ich schlimmes, da ich diesen Fehler schon bei anderen Zeitschriften hier gesehen habe. Mit dünner Stimme frage ich ob die Zeitung denn noch beschnitten wird? Der Drucker guckt mich verständnislos an. "Naja, weil hier ja überall noch der Rand dran ist" sage ich und zeige ihm was ich meine. Jetzt scheint er zu verstehen  und mit Jörns, Solomons und Pias fragenden Blicken unter Druck gesetzt, fällt ihm auch gleich die passende Ausrede ein, denn er behauptet ich hätte keine Beschnittzugabe gelassen. Blöd nur das ich das natürlich gemacht habe (sogar mehr als üblich) und dies auch schwarz auf weiß am nicht beschnittenen Rand zu sehen ist. Ich bin reichlich sauer darüber das eine so einfache, offensichtliche und für mich eigentlich selbstverständliche Sache nicht gemacht wurde. Die Zeitung sieht für mich so einfach nicht fertig aus.  Da die Papierlagen zu allem Überfluss auch noch krumm und schief zusammen getackert wurden besteht die Möglichkeit gar nicht mehr zu beschneiden, weil sonst Information einfach abgeschnitten würden. Obwohl ich wirklich versucht habe mich innerlich auf ein Ergebnis einzustellen dass nicht an westliche Standards heran reicht, gelingt es mir einfach nicht, nicht enttäuscht zu sein. Insbesondere weil der Fehler so dumm und einfach zu beheben gewesen wäre und ansonsten alles gut gelungen ist. Pia, Solomon, Jörn und der eben eingetroffene Lehrer der Schule, die zur Besichtungen gekommen ist, versuchen mich aufzuheitern und erklären mir wie toll die Zeitschrift für ghanaische Verhältnisse geworden ist. Mir mag aber für die ersten Minuten das blöde Versäumnis der Druckerei nicht aus dem Kopf gehen. Ich weiß zwar dass das Ergebnis für die Standards hier gut ist, aber es hätte so einfach sooo viel besser sein können. Wenigstens schaffen wir es den Preis damit noch etwas zu senken und meine Laune steigt wieder als ich die glücklichen Gesichter der Schüler sehe, als sie die Zeitung das erste Mal in den Händen halten. Begeistert blättern sie die Zeitschrift durch, suchen nach ihren Artikeln und lachen über die Fotos und Witze. Pia und ich sind in diesem Augenblick sehr froh und Stolz die Früchte unserer aller Arbeit endlich sehen und in den Händen halten zu können. Auch wenn ich selbst nicht 100% mit dem Ergebnis zufrieden bin, überzeugt und freut es mich doch das alle anderen es sind.

2. Drucktermin - Abgabe

Am Montag ist es endlich soweit und ich bringe die Daten der fertig gelayouteten Zeitung zur Druckerei Hampton Press in Cape Coast. Einer der Designer geht die Daten noch mal mit mir durch um auszuschließen das irgendetwas nicht stimmt. Leider ist es nicht üblich einen Probedruck zu machen und ich kann einfach nur abwarten und Daumen drücken, dass alles so klappt wie ich es mir vorstelle. Innerlich versuche ich mich jedoch schon auf eine Enttäuschung einzustellen, denn die Drucke die ich bisher gesehen habe sind leider sehr schlecht. Eigentlich kein Wunder die empfindlichen und komplizierten Maschinen werden von nicht gut ausgebildeten Arbeitskräften bedient. Offset ist ein relativ schwieriges Druckverfahren und man kann viel falsch machen. Die Druckmaschinen müssen sehr fein nach den jeweiligen Druckjob eingestellt werden, außerdem muss sehr ordentlich und vorsichtig mit Papier und Farbe umgegangen werden. Die alten Markenmaschinen aus deutscher Wertarbeit in Heidelberg werden hier aber leider ziemlich vergewaltigt. Hinzu kommt das Papier, bei dem ich nur zwischen zwei Qualitäten wählen kann, nämlich schlecht und sehr schlecht. Trotzdem bin ich froh die Daten endlich abgeben zu können und das Ergebnis jetzt dem Schicksal zu überlassen.

1.Die Arbeit an der Zeitung

Pia und ich haben die Workshops an den Schulen beendet. Die Texte und Zeichnungen sind nach vielen verschobenen Terminen endlich eingesammelt. Da drei der Schulen keine Computer haben, tippen wir selbst die Artikel ab, danach schicken wir sie zum Korrekturlesen zu Kojo, unserem Betreuer. Die Schwierigkeit besteht jetzt nur darin die Texte auch rechtzeitig wieder zu bekommen, damit ich mit dem Layout beginnen kann. Einige der Artikel sind noch nicht ausgewählt worden, der von unserem Gastschreiber (ein Student aus Tarkwa) ist nicht fertig geschrieben und ich kann somit nicht mal einen Blindtext einfügen. Ich habe keine Ahnung wie viele Seiten ich zur Verfügung haben werde (Budget ist nicht geklärt) und Kojo ist mit anderen Projekten und seiner Arbeit am Cape Coast  Collage so beschäftigt, dass ich natürlich erstmal keine Korrekturen bekomme. Um jedes bisschen muss man sich selbst kümmern und hinter allem hinter her laufen. Ich finde dies sehr stressig und frustrierend, denn ich selbst muss ja auch einen Abgabetermin einhalten und sich auf andere verlassen ist hier schwierig. Trotzdem starte ich mit meiner Arbeit soweit ich kann und viel zu spät trudeln nach und nach die benötigten Texte ein. An mein kleines Netbook habe ich einen großen Bildschirm angeschlossen, denn auf dem mini Bildschirm ist arbeiten mit InDesign einfach nicht möglich. Ich sitze jetzt von morgens bis abends in meinem Zimmer am Rechner und für einige Momente wünschte ich, ich hätte etwas anders studiert, vielleicht so was wie Gartenbau?! Es macht einfach keinen Spaß, besonders in einem Land wie Ghana drinnen zu sitzen, während sich draußen das Leben abspielt. Das Bewusstsein, dass diese Stressperiode nur einen relativ kurzen Zeitraum in Anspruch nimmt und ich danach für den Rest meiner Zeit hier Urlaub haben werde, macht mir die Arbeit jedoch etwas leichter.

Die Organisationsleitung ist für vier Wochen in Deutschland gewesen und weiß nichts über den Projektfortgang. Nach ihrer Rückkehr gibt es keine Begrüßung und wir selbst rufen bei Jörn an, um mit ihm über den weiteren Projektverlauf und das Budget sprechen zu können. Drei Tage vor dem Drucktermin ist die Besprechung mit ihm und Solomon. Einige inhaltliche und optische Änderungen werden festgelegt. Alles in allem verläuft das Gespräch gut und wir werden sogar für unsere bisherige Arbeit gelobt. Die folgende Tage bin ich dann jedoch damit beschäftigt Jörns stündliche Anrufe mit Textkorrekturen zu bearbeiten. Innerlich bin ich ziemlich genervt, weil eigentlich andere den Text schon komplett korrigiert haben sollten, bevor ich ihn für das Layout bekomme. Einen Tag vor dem Drucktermin fällt Jörn dann plötzlich ein, dass wir ja noch Werbung brauchen. Pia und ich haben lange versucht ihn davon zu überzeugen, dass wir Sponsoren brauchen und Werbung schalten könnten, doch er war dagegen. Erst wenn de Zeitung fertig ist, sollten wir damit zu möglichen Sponsoren gehen und unsere Projekt vorstellen. Jetzt möchte er aber trotzdem Werbung rein: “Vielleicht was lokales.” Ich frage ihn woher wir den jetzt so schnell die Werbelogos her bekommen sollen und er entgegnet mir die könne ich  ja eben mal selbst entwerfen! In Deutschland würde jede Firma einen verklagen, wenn man “mal eben” seine eigene Werbung für sie  entwirft und dann auch noch öffentlich nutzt. Aber hier ist Improvisation und “mal eben schnell gemacht” oft das ganze Ergebnis einer Arbeit. Der Drucktermin wird also verlegt und wir hoffen trotzdem bis zum Elmina Festival fertig zu sein, um die Zeitung dort verkaufen zu können.

Mein Arbeitsplatz

Freitag, 16. Juli 2010

Juchhuu! Ich habe frei!

 Meine zeit bei AIM. ist jetz vorbei. Ich habe das Youth Magazine Project erfolgreich abgeschlossen und bin seit gestern in der nähe von Obuasi bei meinem Onkel. Ich habe ein sehr schönes Zimmer mit Air-Condition, es gibt einen Aufenthaltsraum mit Fernseher, eine richtige Dusche (mit Wasserdruck und sogar Warmwasser!) und eine Köchin kocht leckeres kanadisches Essen für die hier arbeitenden kanadischen Geologen und mich. Ich genieße den Luxus, aber finde es nach so langer Zeit auch komisch abends Spaghetti vor dem Fernseher zu essen und Komedieserien zu gucken. Leider ist die Goldmine nicht direkt in der Nähe, aber ich hoffe sehr dass ich sie noch Besichtigen kann. Alle sind sehr beschäftigt und so kann ich viel an meinem Rechner sitzen und alles an Berichten nachholen was ich aufgrund der vielen Arbeit in den letzten paar Wochen versäumt habe. Bis dahin erstmal ein paar Fotos...

Fotos: Elmina Festival! Teil 2

Hier die Parade der Chiefs und des Königs von Elmina. Sehr lustig war auch wie die Chiefs im sitzen getanzt haben, auf den Fotos natürlich leider nicht zu sehen...

Fotos: Dies und das...

Nachdem es zwei Tage lang durchgeregnet hat und meine Wäsche pitschnass war, haben Milena und ich unsere Wäscheleine kurzerhand nach drinnen verlagert.